Jubel und Erleichterung: alle Bilder und Töne zur OB-Wahl: Rechtsextremist Hartung gratuliert Wahlsieger Hoffmann (O-Töne, Vox-Pops)
knappes Ergebnis: Aue ist politisch tief gespalten "Es freut mich (...) Ich will kein Rechtsextremist als Bürgermeister"
Datum: 07.06.2026 - 20:29 Uhr
Ort: Aue / Sachsen
Update: Mit den letzten Briefwahlstimmen wurde der zwischenzeitliche Vorsprung für Stefan Hartung gedreht: Marcus Hoffmann (CDU) gewinnt mit einem knappen Vorsprung.
In der rund 19.000 Einwohner zählenden sächsischen Stadt Aue-Bad Schlema findet an diesem Sonntag eine Stichwahl statt, die weit über die Stadtgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit sorgt. Erstmals seit 1945 könnte ein Mitglied einer neonazistisch geprägten Partei direkt zum Oberbürgermeister einer deutschen Stadt gewählt werden.
Stefan Hartung von den rechtsextremen "Freien Sachsen" trifft im zweiten Wahlgang auf CDU-Kandidat Marcus Hoffmann. Der 37-jährige IT-Unternehmer Hartung sitzt im Stadtrat und im Kreistag des Erzgebirgskreises. Seine politische Laufbahn begann in der neonazistischen NPD, heute "Die Heimat" genannt. 2021 gründete er die "Freien Sachsen" mit. Zu seiner früheren NPD-Mitgliedschaft erklärte er, es gebe keinen Grund, einen Schlussstrich zu ziehen.
Im ersten Wahlgang am 10. Mai erhielt Hartung 29 Prozent der Stimmen und setzte sich damit nicht nur gegen CDU-Kandidat Marcus Hoffmann (23,6 Prozent) durch, sondern ließ auch den AfD-Kandidaten Lars Bochmann mit 18,5 Prozent hinter sich. Damit gelang Hartung das politisch Bemerkenswerte: Ein Kandidat rechts außen von der AfD überholte den AfD-Bewerber bei einer Kommunalwahl.
Politikwissenschaftler werten das als ernstes Signal. Das Wahlverhalten vieler Menschen zeuge nicht mehr von Protest, sondern von gefestigten rechtsextremen Einstellungen und Überzeugungen, so die Einschätzung von Experten.
Hartung nutzt für seinen Wahlkampf unter anderem die Kriminalitätslage am Postplatz im Stadtzentrum, wo die Polizei allein 2024 sechs Fälle von Messerkriminalität und insgesamt 94 Straftaten registrierte. Nachdem 2025 mehrere Intensivtäter in Untersuchungshaft oder Heime kamen, beruhigte sich die Lage. Hartung und seine Unterstützer nutzen den Platz dennoch als Symbol einer angeblich gescheiterten Migrationspolitik.
Hoffmann selbst ist 41 Jahre alt, verheiratet, Vater von zwei Kindern und arbeitet in der Stadtverwaltung. Er gilt politisch als unbeschriebenes Blatt und ist erst seit kurzer Zeit Mitglied der CDU. Im zweiten Wahlgang erhält er Unterstützung von Freien Wählern und der Linken. Die AfD gab keine Wahlempfehlung ab.
Der bisherige Oberbürgermeister Heinrich Kohl von der CDU schied aus Altersgründen aus. Er hatte das Amt seit 1999 innegehabt. Erste Ergebnisse werden am Abend des 7. Juni erwartet.
DOWNLOAD Schnittbilder + O-Töne Marcus Hoffmann (CDU), Stefan Hartung (Freie Sachsen), Martin Kohlmann (Freie Sachsen) + Vox-Pops
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