Untragbare Bedingungen im Katastrophenschutz
Sächsische Retter wünschen sich mehr Anerkennung
Datum: 04.09.2020 - 07:51 Uhr
Ort: Görlitz / Sachsen
Naturkatastrophen, Evakuierungen oder Massenanfälle von Verletzten – das sind nur einige der Szenarien, bei denen die Helferinnen und Helfer des Katastrophenschutzes in Sachsen zum Einsatz kommen. Neben den Kräften der Feuerwehr gehört ein Großteil der Katstrophenschützer zu den sogenannten „weißen“ Einheiten: also zu denen, die für medizinische Aufgaben vorgesehen sind. Das sind zum Beispiel die Betreuungszüge, die sich im Fall der Fälle um eine große Zahl von Menschen kümmern können. Das war zuletzt zum Beispiel bei der Migrationswelle vor einigen Jahren der Fall. Aber auch bei aufwändigen Evakuierungen, wie bei einer Bombensprengung, kommen die ehrenamtlichen Helfer von DRK, Maltesern, Johannitern und ASB zum Einsatz. Doch seit einiger Zeit sinkt die Stimmung in den Einheiten immer mehr ins Negative. Denn die Bedingungen, unter denen man zum Großteil ehrenamtlich arbeitet, sind alles andere, als gut.
Markus Kremser ist stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter beim DRK Kreisverband Görlitz
Stadt und Land e.V. und setzt sich nun schon seit über zwei Jahren für bessere Rahmenbedingungen im Katastrophenschutz ein. Mit seiner Initiative „Staus 6 – Helfergleichstellung in Sachsen“ möchte er aufmerksam machen auf die Probleme, mit denen die Ehrenamtler kämpfen müssen. Und die Liste der Probleme ist lang. Doch eines haben die meisten Punkte gemeinsam: es geht fast überall ums Geld. Das fehlt den Helfern nämlich an allen Ecken und Enden. Der Freistaat Sachsen stellt zwar jährlich gewisse Summen zur Verfügung, doch zur Unterhaltung der Einsatzfahrzeuge und für Miete und Instandhaltung der Gerätehäuser reicht es beim besten Willen nicht. Viele Einheiten müssen in provisorischen Gerätehäusern unterkommen, auch in Görlitz. Hier stehen die Einsatzfahrzeuge in einer alten Halle, Stromkabel hängen von der Decke, es gibt nicht einmal eine Absauganlage für Abgase, wie es eigentlich bei Feuerwehren üblich ist. Umkleidekabinen sucht man vergeblich, die Einsatzkräfte müssen sich zu Hause umziehen. Und auch einen Schulungsraum gibt es hier nicht. Es gibt zwar sanitäre Anlagen vor Ort, die sehen aber alles andere als einladend auch. „Wir können aber froh sein, überhaupt Toiletten zu haben“, erzählt Markus Kremser. „Andere Einheiten haben nicht mal das“, so Kremser weiter.
Und tatsächlich sind das keine Einzelfälle. In ganz Sachsen gibt es die Katastrophenschutzeinheiten und nahezu überall fehlt es am nötigsten. Doch die materiellen Dinge sind nur das Eine. Markus Kremser wünscht sich, dass sich auch organisatorisch etwas ändert. Seiner Meinung nach fehlen Konzepte und Strategien, was Einsatzfahrzeuge, Einsatztaktiken und Vorgehensweisen bei bestimmten Lagen angeht. Das liegt laut Markus Kremser auch daran, dass die Spitze im zuständigen Ministerium möglicherweise falsch besetzt ist. Es fehle dort vor allem am Praxisbezug. „Niemandem würde einfallen, die Polizei von einem Nicht-Polizisten leiten zu lassen oder die Feuerwehr von jemanden, der noch nie ein Feuerwehrauto von Innen gesehen hat“, so Kremser. „Wir brauchen also Fachleute, die unsere Themen und Probleme bearbeiten“ ist sich der ehrenamtliche Katastrophenschützer sicher.
Doch viel getan hat sich in den letzten zwei Jahren nicht. Zwar sind einige Gelder erhöht worden, doch das sei Kremser zufolge noch lange nicht zufriedenstellend. Man wünsche sich, dass die Politik noch mehr Interesse an den ehrenamtlichen Katastrophenschützern zeigt und möchte weiter für mehr Aufmerksamkeit sorgen. Der nächste Schritt dazu ist eine Sternfahrt am 16. September. Markus Kremser ruft alle Katastrophenschützer aus Sachsen dazu auf, mit ihren Einsatzfahrzeugen nach Dresden zu kommen, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.
DOWNLOAD inkl. O-Ton Markus Kremser (Katastrophenschutz Görlitz)
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Unsere Bilder
- Schnittbilder mit Markus Kremser
- Blick in marode Fahrzeughalle in Görlitz
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- Archivbilder DRK Görlitz im Einsatz
